Sonnenschein

Wäre das Foto vom Schneemann auf meinem Handy nicht datiert, ich würde es nicht glauben: Erst zwei Wochen ist der letzte große Schneefall her, der die Heimatstadt bedeckte und eine eisige Kälte zurückließ. Nun strahlt die Sonne auf den Beton herab und es scheint fast so, als hätte die ganze Stadt nur darauf gewartet. Der griesgrämige Blick ist aus den Gesichtern verschwundern, das dominante Schwarz der Winterjacken einem bunten Farbmix gewichen.

Sonnenstrahlen lösen bekanntlich Glücksgefühle aus: Ach Wien, bist du schön an einem Frühlingstag. Wenn langsam die Schanigärten öffnen, die Blumengeschäfte den Gehsteig mit Blüten pflastern und nur mehr Steinchen am Boden die Geschichte eines langen Winters erzählen. Endlich ist der Frühling da und mit ihm ein wenig mehr Begeisterung im Alltagstrott. Es wurde aber auch Zeit!

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10 Jahre Modepalast: „Ökomode ist nicht mehr nur Sackgewand“

So kurz vor dem Start spürt man die Aufregung im Wiener Büro des Modepalasts: das Telefon klingelt, die Kaffeemaschine läuft, die Mitarbeiter wuseln herum und treffen letzte Vorbereitungen.
Mittendrin Cloed Baumgartner: kurze Haare, frühlingshaftes Outfit, entspannte Miene. Zusammen mit Jasmin Ladenhaufen initierte sie vor zehn Jahren Österreichs größte Modemesse. Im relaxten Gespräch erzählt sie von den Anfängen, Nachhaltigkeit in der Mode und warum sie gerne mehr Victor-Hugo-Charaktere in Wien hätte.

Der Modepalast wird zehn –  Welche zehn Begriffe beschreiben den Modepalast?

Cloed Baumgartner: Modepalast Green, Modepalast Generation, Modepalast Newcomer, Katalysator, stark, wachsend, erfolgreich, Jungdesigner, dynamisch, international.

Vor 10 Jahren begann alles in Wien: Wie ist es sich heute an den Einstand zu erinnern?

Cloed Baumgartner: Der erste Modepalast war am gleichen Abend wie die lange Nacht der Museen: am 20. September. Das weiß ich noch ganz genau, das war nämlich mein Geburtstag.
Damals gab es für junge Labels nichts: keine Vertriebsmöglichkeiten, keine Boutiquen, die die Kollektionen geführt haben. Wir haben den Modepalast deshalb auch aus Eigenbedarf gegründet: Jasmin Ladenhaufen und ich hatten ja beide ein Modelabel.
Nach internationalen Vorbildern haben wir zuerst sehr klein gestartet, nur mit dreißig Labels. Dann ist es sehr schnell gewachsen. 2010 sind wir vom MQ ins MAK übersiedelt. Mit uns ist auch die ganze Wiener Modeszene gewachsen. Labels, die damals ihren ersten großen Auftritt hatten, haben jetzt ihre eigenen, gut gehenden Boutiquen. Der Modepalast ist daher wie ein Katalysator für die Wiener Modeszene zu sehen.

Was hat den ersten Modepalast ausgezeichnet?

Cloed Baumgartner: Schräg war vor allem die Bierkistenarchitektur aller Stände. Klassische Messekojen wollten wir definitiv nicht, also haben wir aus Getränkekisten Landschaften gebaut.

Damals war der Modepalast als Modemesse ja noch eine Ausnahmeerscheinung. Was hat sich seither in der Wiener Modeszene getan?

Cloed Baumgartner: Die Entwicklung ist sehr positiv. Viele, viele Modelabels können mittlerweile davon leben. Viele können sich nun auch leisten lokal zu produzieren; direkt in Wien oder im nahen Ausland wie Slowenien oder Ungarn.
Neben Formationen wie UnitF sind die Kundinnen natürlich ein sehr wichtiger Faktor.
Auch das Image hat sich verbessert: Die Produkte sind gut gemacht, einzigartig, dabei leicht erhältlich und leistbar.

Was unterscheidet Wien als Modestadt von anderen Städten?

Cloed Baumgartner: Wien schafft den Sprung aufs internationale Modeparkett nicht. Vor allem im Bereich Ordermessen und Fashion Weeks – weil einfach keine großen Investoren da sind.
Ich sehe aber keinen Grund zum jammern. Viele österreichische Designer, die hier gut verankert sind, strecken ihre Fühler aus ins benachbarte Ausland: Berlin ist spannend, Paris hat Tradition.
Positiv zu vermerken ist die Kaufkraft in Wien. Bei uns kann man wirklich von der Mode leben, ich spreche aus eigener Erfahrung. Ich bin Modemanagerin und ich lebe davon!

Welche Modestile würden Sie gerne öfter in Wien sehen und warum?

Cloed Baumgartner: Was mir wirklich gut gefällt sind Leute, die sich nach einem gewissen Stil durchgehend anziehen. Das wünsche ich mir für Wien. Das grenzt schon fast an Verkleiden und ist bei uns leider verpönt: Verkleiden gehört nur in den Fasching. Bei uns wird man belächelt, wenn man ein schrilles T-Shirt anhat oder sich in einem Guss wie der Gavroche von Victor Hugos Les Misérables anzieht.

Das heißt, den Wienern fehlt ein bisschen der Mut.

Cloed Baumgartner: Nicht nur der Mut. Es ist ja auch aufwendig. Wir sind vielleicht auch zu bequem dazu? Ja, bequem und feig.

Mode ist ja oft nur auf Frauen ausgerichtet. Wie ist der typische männliche Modepalast-Besucher?

Cloed Baumgartner: Der männliche Modepalast-Besucher kommt in Begleitung, fühlt sich aber auch wohl. Wir haben ja Musik und Bars. Er findet leider nicht soviel für sich, dabei probieren wir immer wieder mehr Männer-Modelabels reinzubekommen – Es gibt aber einfach nicht soviele. Die Männer shoppen bei uns dann T-Shirts.

Den Modepalast gab es dieses Jahr auch erstmals in Linz. Wieso gerade Linz?

Cloed Baumgartner: Wir sind eingeladen worden vom Oberösterreichischen Kulturquartier und wissen das Linz ein sehr modeaffines Publikum hat. Der Start war wirklich erfolgreich, wir waren sehr gerne in Linz. Die Oberösterreicherinnen haben uns mit offenen Armen empfangen.

Und was sollen die nächsten zehn Jahre bringen? Folgen bald Klagenfurt und Graz?

Cloed Baumgartner: Vielleicht. Wir überlegen eigentlich jedes Jahr neue Sachen. Es hängt davon ab, worauf die Jasmin und ich richtig Lust haben. Das steht noch nicht so genau fest. Aber wenn wir’s machen, dann stehen wir mit vollem Herzen dahinter.

Sie sind ja nicht nur Modepalast-Veranstalterin sondern auch Designerin. Wie ist die Arbeit als Modedesigner in Wien? Was hat sich die letzten Jahre getan?

Cloed Baumgartner: Man kann jetzt davon leben.
Das Image hat sich gewandelt: Vor zehn Jahren war man nichts, wenn man als Designer nicht nach Paris gegangen ist.
Und es gibt kaufkräftiges Publikum, das gerne lokale Produkte einkauft und auf den Produktionsort Wert legt. Das geht umher mit einem Umdenken im Bezug auf Mode.
Heute fragt man sich: Kommt diese Jeans auf Bangladesh? Wieviele Leute haben sich beim Färben des Stoffes die Beine verätzt? Wieviele Hektar Land sind wegen meiner Jeans jetzt im Arsch? Die Trends bewegen sich daher hin zu Öko und Recycling. 2010 haben wir deshalb den Schwerpunkt Modepalast Green ins Leben gerufen. Denn Ökomode ist nicht mehr nur Sackgewand, sondern kann durchaus mit tollen Schnitten und Stoffen in Verbindung gebracht werden.

Ein momentaner Trend ist Upcycling. Wie wichtig sind solche Entwicklungen für die Modeszene?

Cloed Baumgartner: Beim Upcycling muss man zwei Richtungen unterscheiden: Materialupcycling, also z.B. Stoffe aus PET-Flaschen zu produzieren, und dann das Upcycling, wo man aus bestehenden Kleidungsstücken Neues zusammensetzt. Beides ist noch schwierig, weil das Angebot nicht da ist. Die schwierige Materialbeschaffung limitiert die Arbeit. Wenn ich beispielsweise etwas aus Spitze machen möchte, muss ich erstmal den passenden Vorhang oder Ähnliches suchen. Der ganze Prozess ist daher sehr aufwendig für den Designer.

Und wenn Sie selbst ein Kleidungsstück wären, welches wären Sie?

Cloed Baumgartner: Uh, das hat mich noch nie wer gefragt. (kurze Pause) Also ich wäre sicher ein legeres Hosenkleid. Und ganz sicher Upcycling-Öko. Aus mattem Stoff, auf keinen Fall glänzend. Ja genau, ein legeres Hosenkleid in mattem Hell-Brombeer.

Danke für das Gespräch.

Von 4. bis 6. Mai findet im Wiener MAK am Stubenring bereits zum zehnten Mal die Verkaufsmesse Modepalast – Brand New Expo statt. 90 Labels präsentieren ihre Kollektionen. Neben den Schwerpunkten GreenGeneration und Newcomer gibt es heuer mit Spot on Sofia ein Bulgarien-Special.

Mehr zu Programm und Designern: www.modepalast.com

Dieses Interview erschien erstmals auf andy.artmagazine.cc.

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Hippie-Hipster beim Sonnentanz

In der Sonne tanzt es sich am Besten. Das dachten sich wohl auch die Veranstalter von Tanz durch den Tag. Am 1. Mai feierte das kreative Geheimtipp-Facebook-Event seinen zweiten Geburtstag. In lässiger Picknick- und Feiermanier trafen sich über 700 fröhliche Menschen bei Nussdorf an der Donau. Dort wo der Kanal entspringt. Dass alles improvisiert und nicht ganz legal stattfindet verzeiht der Gast, denn wo sonst kann man in Wien in der Sonne und am Wasser tanzen? Nur mit den Klos klappte es nicht so: Es kam zu mehreren Anzeigen wegen öffentlichen Urinierens…

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Gebärdensprache meets Popmusik

Gebärdensprache sieht sich einer gesellschaftlichen Vernachlässigung ausgesetzt. Dabei ist die österreichische Gebärdensprache (ÖGS) offiziell anerkannt; Gesetze für Schulen und andere Bildungseinrichtungen gibt es allerdings nicht.
Umso wertvoller, wenn einer der großen Musiker der letzten Jahrzehnte diese Sprache prominent in Szene setzt: Paul McCartney. Sein neues Video „My Valentine“, in dem er auch selbst Regie führte, zeigt wie schön die Symbiose von Gebärden und Popmusik sein kann. Natalie Portman und Johnny Depp haben dafür sogar extra Gebärdensprache gelernt. Sehenswert.

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Veränderung tut weh

Vor allem wenn sie so misslingt wie im Falle des neuen Ottakringer Logos. Die gelbe, minimalistisch und traditionell designte Dose war Kult. So etwas muss behutsam erneuert werden. Auf Facebook organisiert sich bereits der Widerstand, die Brauerei wird von vielen Kunden attackiert. Tut Veränderung tatsächlich so weh? Oder ist das neue Logo wirklich schlimm? So oder so, dem Wiener macht das Raunzen Spaß. Und ein bisschen Diskussion tut jeder Marke gut.

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Book-Clutch

Ist die nicht toll? Zu haben bei Olympia le Tan.

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Gottschalk live: Halbe Happy Hour

 

Ein riesiges Pop-Art-Porträt Gottschalks überblickt grinsend die Szenerie. Allein mit diesem Bild wird klar, woran es „Gottschalk live“ wahrlich nicht mangelnd: Selbstbewusstsein. Fehlen tut allerdings Einiges. Angefangen beim Publikum. Es mutet fast schon seltsam an, wenn Gottschalk einen Witz nach dem anderen reisst und keinerlei Reaktion folgt. Wer soll auch lachen? Die Redaktionsmitglieder neben „seinem“ Wohnzimmer?

Hinter seiner in Alufolie eingewickelten Schreibtischplatte auf Stelzen führt Thomas uns ein in seine Welt. Neben ihm eine Auswahl der aktuellen Zeitungen, Kunst in Form von metallenen Statuen. Bunte, rote Lampen und Tapeten bieten den nötigen farbigen Pepp.

Immer wieder kreist der goldgelockte Entertainer um sich selbst, spielt die Sonne im Zentrum des Universums. Die ARD-Krawatte trägt er nicht, viel zu kleinkariert sei die für ihn. Er sei schließlich mit den Stars auf du und du. Der Entdecker von Heidi Klum („ICH habe sie entdeckt!“) spart nicht mit Eigenlob. Stellt dabei auch klar, wenn ihn die Boulevardmedien einen falschen Cousin andichten.

Modern ist er, dieser Gottschalk post Wetten dass. Social Media kein Fremdwort, dafür eigens eingestellt: die hübsche, blonde Karo.

Bully Herbig als Gast tut einem fast leid. Immer schneller spricht er, damit er zumindest ein paar Mal zu Wort kommt. Immer wieder redet ihm Gottschalk dazwischen.
Die Quote war dennoch ausgesprochen gut, was wohl auch daran liegen könnte, dass Thomas Gottschalk ein Publikumsliebling ist und ein gewisses Maß an Neugierde nach seiner Zeit bei Wetten dass übrig blieb. Dass das nächste Mal genauso viele einschalten, wäre dann aber nur seinem Kniefall zuzuschreiben.

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